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	<title>Kommentare zu: Dieses Buch hat noch gefehlt!</title>
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	<description>von Jenny Wennmacher</description>
	<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 23:25:13 +0000</pubDate>
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		<title>Von: melviron</title>
		<link>http://www.ostpreussenbilder.de/?p=47#comment-4069</link>
		<dc:creator>melviron</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 13:07:52 +0000</pubDate>
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		<description>Eine weitere Schilderung der Vertreibung aus Westpreußen aus der Sicht eines Kindes findet sich in der Autobiografie "Was bleibt, ist die Erinnerung" von Heinz Schwark.

Leseprobe:
Etwa Mitte Oktober 1945 – wir Kinder waren wieder unterwegs ins Dorf, um uns die Brotrationen zu holen – kamen uns am Ortseingang einige Frauen entgegen. Sie riefen aufgeregt: „Lauft schnell nach Hause! Wir müssen alle weg! Ihr werdet mit Pferdefuhrwerken abgeholt.“ Wie der Blitz rannten wir nach Hause, um allen Bescheid zu sagen. Die meisten Sachen waren ja bereits transportfertig, den Rest suchten wir in Windeseile zusammen. Bald darauf kamen die Polen mit ihren Pferdewagen. Sie staunten nicht schlecht, dass wir mit unseren Bündeln schon bereitstanden. Sie konnten ja nicht ahnen, dass wir schon informiert worden waren. 
Andere hatten weniger Glück. Unterwegs trafen wir viele Menschen, die nicht mehr bei sich hatten als die Kleider, die sie auf dem Leib trugen. Auch ein Verwandter war darunter: der Bruder meiner Großmutter. Er ging an zwei Stöcken und hatte es nicht einmal geschafft, sich richtige Schuhe anzuziehen. Seine Füße steckten in Filzpantoffeln, mit denen er kaum laufen konnte. Seiner Frau erging es ähnlich.
Die Nacht verbrachten wir im Stieglitzer Gasthaus. Es war eng und stickig. Die Verzweiflung war groß.
Ein Mann ging von Familie zu Familie und spendete uns tröstende Worte. Es war Pfarrer Reger, der aus dem KZ zurückgekehrt war.
„Wie geht es euch?“, fragte er. 
„Ich habe schreckliche Kopfschmerzen“, antwortete ich. Der Pfarrer gab mir zwei Tabletten, die ich mit etwas Wasser hinunterspülte.
Die Abendstunden in dem Gasthaus waren schrecklich. Unter den Flüchtlingen befanden sich zahlreiche Kleinkinder. Einige schrien und weinten die ganze Nacht. Es war der klagende Abschiedsgesang an die verlorene Heimat...
Ich war froh, als die Tabletten schließlich wirkten und ich einschlafen konnte.
(Herausgegeben von Rohnstock Biografien Berlin, 
http://www.rohnstock-biografien.de/)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Eine weitere Schilderung der Vertreibung aus Westpreußen aus der Sicht eines Kindes findet sich in der Autobiografie &#8220;Was bleibt, ist die Erinnerung&#8221; von Heinz Schwark.</p>
<p>Leseprobe:<br />
Etwa Mitte Oktober 1945 – wir Kinder waren wieder unterwegs ins Dorf, um uns die Brotrationen zu holen – kamen uns am Ortseingang einige Frauen entgegen. Sie riefen aufgeregt: „Lauft schnell nach Hause! Wir müssen alle weg! Ihr werdet mit Pferdefuhrwerken abgeholt.“ Wie der Blitz rannten wir nach Hause, um allen Bescheid zu sagen. Die meisten Sachen waren ja bereits transportfertig, den Rest suchten wir in Windeseile zusammen. Bald darauf kamen die Polen mit ihren Pferdewagen. Sie staunten nicht schlecht, dass wir mit unseren Bündeln schon bereitstanden. Sie konnten ja nicht ahnen, dass wir schon informiert worden waren.<br />
Andere hatten weniger Glück. Unterwegs trafen wir viele Menschen, die nicht mehr bei sich hatten als die Kleider, die sie auf dem Leib trugen. Auch ein Verwandter war darunter: der Bruder meiner Großmutter. Er ging an zwei Stöcken und hatte es nicht einmal geschafft, sich richtige Schuhe anzuziehen. Seine Füße steckten in Filzpantoffeln, mit denen er kaum laufen konnte. Seiner Frau erging es ähnlich.<br />
Die Nacht verbrachten wir im Stieglitzer Gasthaus. Es war eng und stickig. Die Verzweiflung war groß.<br />
Ein Mann ging von Familie zu Familie und spendete uns tröstende Worte. Es war Pfarrer Reger, der aus dem KZ zurückgekehrt war.<br />
„Wie geht es euch?“, fragte er.<br />
„Ich habe schreckliche Kopfschmerzen“, antwortete ich. Der Pfarrer gab mir zwei Tabletten, die ich mit etwas Wasser hinunterspülte.<br />
Die Abendstunden in dem Gasthaus waren schrecklich. Unter den Flüchtlingen befanden sich zahlreiche Kleinkinder. Einige schrien und weinten die ganze Nacht. Es war der klagende Abschiedsgesang an die verlorene Heimat&#8230;<br />
Ich war froh, als die Tabletten schließlich wirkten und ich einschlafen konnte.<br />
(Herausgegeben von Rohnstock Biografien Berlin,<br />
<a href="http://www.rohnstock-biografien.de/" rel="nofollow">http://www.rohnstock-biografien.de/</a>)</p>
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